Wie kann man alte Deponieabfälle effizient und nachhaltig recyceln? Europäische Wissenschaftler arbeiten an neuen Technologien.

Euronews-Reporter Julián López Gómez: „Rund 20 Millionen Tonnen Industrieabfälle sind seit den Neunziger Jahren in dieser Deponie vergraben worden. Eine große ökologische Herausforderung, aber vielleicht auch eine ökonomische Chance. Kann man all diese Kunststoffe und Metalle effizient und nachhaltig abbauen und recyceln? Europäische Wissenschaftler suchen an Orten wie diesen nach Antworten“.

Das gesamte Areal umfasst rund 230 Hektar. Tief unter der Erde liegen an manchen Stellen zehn Meter dicke Schichten aus Kunststoff, Holz, Metall, Papier oder Karton. Was viele Menschen einfach nur als Müll ansehen, ist für Wissenschaftler und Abfallmanager eine Fundgrube.

Yves Tielemans, Group Machiels: „Diese Abfälle hier repräsentieren eine riesige Menge an Sekundärrohstoffen und Energie, die wir aus den historischen Deponien zurückgewinnen und wieder der Wirtschaft zuführen können. Dafür benötigen wir sehr innovative Technologien. Wir graben die Abfälle aus den Deponien aus, und setzen fortschrittliche Sortier- und Aufbereitungstechnologien zur Rückgewinnung der verschiedenen Abfallfraktionen ein.

Eine dieser fortschrittlichen Technologien wird hier in Österreich getestet. Drei verschiedene Sensoren an diesem Prototyp ermöglichen es, Abfälle aus alten Deponien zu erkennen. Für kommerzielle Sortieranlagen ist das schwierig, da sich der Müll und seine Struktur mit der Zeit verändert haben:

„Es ist so, dass das Material, das in der Deponie drinsteckt, verschiedenen Einflüssen ausgesetzt ist. So gibt es zum Beispiel Staub oder Wasser, die die Oberfläche beeinflussen. Es gibt aber auch ein alkalisches oder saures Medium. Und wenn das Ganze dann rauskommt, dann müssen wir die sensorgestützte Sortierung adaptieren, anpassen, an genau diesen Zweck, den wir hier verfolgen, damit wir bestimmte Stoffe austragen können“, erklärt Bastian Küppers, Abfallmanagement-Ingenieur an der österreichischen Montanuniversität Leoben.

Einmal sortiert, kann das Deponiematerial mithilfe ausgeklügelter chemischer Verfahren recycelt werden. Diese Forscher hier verwandeln den Abfall in ein Glaspulver, gemischt mit Sand und anderen chemischen Verbindungen wird es zu Baustoffen wie Fliesen oder Bodenplatten.

„Das sind völlig andere Produkte als zum Beispiel gewöhnlicher Zementbeton. Mechanisch liefern sie die gleichen Eigenschaften. Aber die chemische Zusammensetzung ist völlig anders. Sie können zum Beispiel viel besser Säureangriffen oder hohen Temperaturen standhalten“, sagt der Material-Ingenieur Lukas Arnout von der niederländischen Katholieke Universiteit (KU) Leuven.

Rund 500.000 Deponien in ganz Europa warten darauf, zurückgebaut zu werden – eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und Umwelt.

„Jede Deponie ist wie ein Haus, eine Konstruktion, die früher oder später Risse zeigt. Früher oder später wird es also zu Wasser- und Bodenverschmutzung kommen. Das bedeutet auch, dass früher oder später jede Art von Deponie irgendeine Art von Sanierungsmaßnahme erfordert. Deshalb versucht man beim ressourcenorientierten Deponierückbau, den Sanierungsaspekt – d. h. die Verschmutzungsquelle für immer zu beseitigen – mit Maßnahmen zur Ressourcenrückgewinnung zu verbinden“, erklärt Peter Tom Jones, New-Mine Projektkoordinator, KU Leuven.

In Europa könnte laut den Forschern ein ressourcenorientierter Deponierückbau in weniger als 10 Jahren Realität werden, vorausgesetzt, die weitere gesetzliche Regelung wird rasch eingeführt.

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