Mehr als zwei Jahre nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen bei VW hat die Münchner Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Audi-Unternehmenschef Rupert Stadler und ein weiteres Vorstandsmitglied eingeleitet.

Zur Sicherung von Beweismaterial seien beider Privatwohnungen durchsucht worden, so die Staatsanwaltschaft. Sie legt ihnen «Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last». Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht. Die Zahl der Beschuldigten sei damit auf 20 gestiegen. Stadler ist seit elf Jahren Audi-Chef.

Er soll nach der Aufdeckung der Manipulationen in den USA von falschen Abgaswerten auch in Europa gewusst haben, aber anders als in den USA keinen Vertriebsstopp angeordnet haben. Die Ermittler stützten sich auf die Auswertung von Korrespondenz, verlautete aus Ermittlerkreisen. Im März 2017 und im Februar 2018 hatte es in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm Razzien gegeben.

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos
mit Schummelsoftware verkauft haben.

DAIMLER

Und Daimler muss wegen des Vorwurfs einer unzulässigen Abgastechnik europaweit 774.000 Fahrzeuge zurückrufen, die auf der Straße zuviel Stickoxid (NOx) ausstoßen, darunter 238.000 in Deutschland. Dies werde das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) unverzüglich anordnen, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach einem Gespräch mit Konzernchef Dieter Zetsche in Berlin. Daimler will den Rückruf umsetzen, kündigte aber Widerspruch an. Ein milliardenschweres Ordnungsgeld sei indes vom Tisch, sagte Zetsche beim Verlassen des Ministeriums.

Neben dem schon zurückgerufenen Transporter Vito müssen laut Ministerium um Modelle der C-Klasse und des Geländewagens GLC in die Werkstätten. Daimler hatte sich im vergangenen Jahr bereiterklärt, „freiwillig“ rund drei Millionen Diesel-Autos nachzubessern.

TEURER ABGASSKANDAL

Nach dem Volkswagen-Konzern ist Daimler der zweite deutsche Autobauer, dem amtlich Abgasmanipulation bescheinigt wird. Die Wolfsburger hatten erst nach massivem Druck der US-Umweltbehörden 2015 zugegeben, Dieselabgaswerte durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Das “Defeat Device” erkennt, ob sich ein Auto auf einem Prüfstand befindet, und reduziert nur dann den Stickoxidausstoß. Auf der Straße sind die Abgaswerte sehr viel höher. Die Wiedergutmachung des Abgasskandals kostete bei mehr als elf Millionen Pkw kostete Volkswagen bisher mehr als 25 Milliarden Euro.

Ein Twitter-Aufschrei:

su mit dpa

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